von Karsau - 750 Jahre Karsau

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Ortschronik

Karsauer Dorfjubiläum
03.-07. Oktober 2019         

Wir wünschen allen ein gutes und gesundes Jubiläumsjahr
Kurzfassung 750 Jahre Karsau
von Dr. Rudolf Steiner
2019 begeht Karsau sein 750jähriges Jubiläum. Ein solches Ereignis ist ein willkommener Anlass, sich mit der eigenen Vergangenheit intensiver zu befassen und auseinanderzusetzen.
Die genauen Anfänge des Ortes Karsau sind aus heutiger Sicht nicht bekannt. Archäologische Funde belegen immerhin, dass schon in der Steinzeit Menschen in unserem Raum lebten. Weiterhin kann anhand des Ortsnamens sowie aufgrund der angenommenen ersten Siedlungsorte vermutet werden, dass die eigentliche Gründung wohl in einem schleichenden Prozess seit der Völkerwanderung erfolgt sein muss. Da für die Festlegung der Feier eines Ortsjubiläums aber ein konkretes Datum die Voraussetzung ist, kommt ausschließlich die erstmalige urkundliche Erwähnung in Betracht. Die 750-Jahrfeier steht damit also auf der Grundlage des ältesten bekannten Dokuments, in dem die Orte Karsau und Riedmatt genannt werden. Dieses datiert auf den 28. Juli 1269.
In diesem Schriftstück bestätigte der damalige Rheinfelder Burgvogt Ulrich von Ratolzdorf, in einem Streit zwischen den Brüdern des noch jungen Deutschordenshauses Beuggen einerseits und Berthold von Arnesdorf und dessen Frau Ida andererseits vermittelt und einen Schiedsspruch gefällt zu haben. Während die Ordensbrüder sich zur Zahlung von zwei Pfund Pfennigen verpflichteten, verzichtete das Paar auf all seine Ansprüche gegenüber dem Ordenshaus sowie auf jene, die sie an einem Gut in Riedmatt, das ihnen bis dahin wohl gehört hatte, besaßen. In diesem Zusammenhang erfolgte die erstmalige Nennung des Ortes Riedmatt als Rietmatten. Karsau wird im weiteren Wortlaut der Urkunde durch die Benennung eines Zeugen des Rechtsaktes erwähnt: ein schindeler von Karlesowe. Die von Ulrich von Ratolzdorf vermittelte Einigung sollte auch für die Zukunft unangefochten bleiben. Deshalb wurde festgelegt, dass der Schiedsspruch für das Kind Idas und Bertholds sowie für dessen Großvater (Rudolf Weinmann von Herten) als auch für dessen Onkel (Heinrich) gelten sollte.
Für die Entstehung der Siedlungen Karsau und Riedmatt waren mit Sicherheit die Geländelage, die klimatischen Bedingungen, die Bodenqualität sowie das Vorhandensein von Trinkwasser die maßgebenden Faktoren. Dabei wird gemeinhin angenommen, dass der historische Kern von Karsau im heutigen Innerdorf gelegen haben muss. Die Bezeichnung Karsau selbst gibt den Hinweis, dass es sich dort um einen Auenbereich (feuchtes Wiesenland) handelte, der die genannten Voraussetzungen aufwies.
Die Namensforschung deutet zunächst auf eine mögliche Entstehung Karsaus im 9. oder 10. Jahrhundert hin. Aufgrund der genannten geologischen und topografischen Bedingungen werden die Anfänge aber noch wesentlich früher, nämlich schon vor 850 n. Chr., vermutet. Neben dem Hinweis auf eine Aue enthält der Ortsname außerdem die Vorsilbe Kars bzw. Karles“. Zu dieser Bezeichnung gab es immer wieder verschiedene Theorien. Am wahrscheinlichsten ist die Annahme, dass es sich dabei um den Personennamen Karl handelte.
Riedmatt hingegen ist eindeutig als ein zur damaligen Zeit mit Schilfgras/-rohr bewachsener Bereich auszumachen, der im Laufe der Zeit durch Rodung nutzbar gemacht wurde. Die Entstehung dieses kleineren Teilortes scheint tatsächlich ins 9. oder 10. Jahrhundert zu fallen. Zu den für Karsau genannten Faktoren kam hier außerdem die räumliche Nähe zum Rhein mit seinen ergiebigen Fischgründen bei den Stromschnellen Wasserfallen in der Gegend des heutigen Kraftwerkes Ryburg-Schwörstadt zum Tragen.
Beide Orte entwickelten sich über die Jahrhunderte hinweg zunächst nur zögerlich. Während Riedmatt bis um 1800 eher noch als eine lockere Ansammlung von wenigen Einzelhöfen (Weiler) gesehen werden musste, war Karsau bereits im frühen 18. Jahrhundert ein Dorf – jedoch derart zergliedert, dass man kaum von einer geschlossenen Siedlung sprechen konnte. Dieser Zustand wurde erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts erreicht. Trotz der räumlichen Trennung bildeten die beiden Orte in politischer Hinsicht schon seit jeher eine Einheit.
Die Lebensverhältnisse der Menschen in den vergangenen Jahrhunderten waren sehr bescheiden. In der Hauptsache war die Bevölkerung in gewissen ländlichen Handwerksberufen sowie in der Landwirtschaft selbst tätig. Oftmals reichten die Erträge der Bauern gerade, um die eigene Familie über die Runden zu bringen. Hinzu kam, dass man immer wieder unfreiwillig in den Strudel allgemeiner politischer Entwicklungen hineingezogen wurde. Nicht selten geriet der Ort durch kriegerische Auseinandersetzungen in Mitleidenschaft. Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges etwa standen sich bei Karsau Ende Februar 1638 die verfeindeten Heere gegenüber. Das Dorf brannte dabei völlig ab. Aber auch ansonsten war man jeglicher höheren Gewalt relativ hilflos ausgeliefert. Neben der vollkommenen Abhängigkeit der Ernteerträge vom Klima traf die Menschen auch manch anderes Unglück. So kam es in Karsau am Nachmittag des 3. Oktober 1726 durch Nachlässigkeit erneut zu einem Großbrand, bei dem schätzungsweise 25 Häuser in Schutt und Asche gelegt wurden. Im darauffolgenden Jahr soll in Riedmatt ebenfalls eine Feuersbrunst gewütet haben. Dort sollen etwa fünf Gebäude betroffen gewesen sein.
Seit 1246 stand die Bevölkerung für 560 Jahre unter der Herrschaft des Deutschen Ritterordens in Beuggen. Das Verhältnis zwischen der Obrigkeit und den Untertanen war stets ein gespanntes. Die Dokumente in den Archiven belegen aber auch, dass man sich durchaus gegen die drückende Abgabenlast und die zuweilen despotischen Strafen mit offenem Protest zur Wehr setzte, wenn auch meist ohne größeren Erfolg. Trotzdem kann dieses Aufbegehren als Beispiel für den unbändigen Freiheitswillen und das Selbstbewusstsein der hiesigen Bevölkerung gewertet werden – eine Eigenschaft, die sich gewiss bis in unsere Tage hinein erhalten hat.
Mit dem Ende der Deutschordensherrschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts änderten sich auch die Lebensverhältnisse der Menschen spürbar. Die landwirtschaftlichen Betriebe wuchsen, denn ein großer Teil des Ertrages verblieb nun bei den Bauern, so dass sich ihr Einkommensspielraum erweiterte. Dies äußerte sich letztlich auch in einer regen Bautätigkeit im Ort: Neue größere Höfe entstanden bzw. ältere im Fachwerkstil gebaute Häuser wurden zu Bruchsteinbauten.
An der Wende zum 20. Jahrhundert wurde mit der Errichtung des Rheinkraftwerkes 1895-1898 das Kapitel der Industrialisierung aufgeschlagen. Auf der südwestlichen Gemarkung von Karsau entstanden neue Betriebe, die der einheimischen Bevölkerung neben der Landwirtschaft einen zusätzlichen lukrativen Verdienst ermöglichten. Darüber hinaus fanden viele arbeitsuchende Menschen aus anderen Gegenden oder Ländern bei uns eine neue Heimat. Dies hatte vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg massive Auswirkungen: Die Einwohnerzahl und der Gebäudebestand nahmen rasant zu.
Mit der Eingemeindung Karsaus als Ortsteil der Stadt Rheinfelden (Baden) im Jahr 1975 endete die politische Eigenständigkeit des Ortes.

Das Karsauer Ortswappen ist seit 1904 offiziell ein gelber (heraldisch: goldener) Bienenkorb auf blauem Grund. Bei der Gestaltung des Wappens hatte man sich offenbar von einem früheren Ortswappen leiten lassen, das in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entstanden war und einen Bienenkorb in einer Fruchtwanne stehend vor den sich überkreuzenden Insignien Rechen, Gabel und Sense zeigte. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dieses aber durch eine Darstellung mit dem badischen Staatswappen für etwa 50 Jahre abgelöst.
Rechtzeitig zum Ortsjubiläum erscheint die Ortschronik Karsau. Dort finden Sie noch viele weitere interessante Informationen.
Bildnachweis: Huber, Harald: Wappenbuch Landkreis Lörrach, hrsg. v. Südkurier Verlag, Konstanz 1984, S. 87.
                               
         
(c) 2017 herbert herzog (aktuallisiert 20.09.2019
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